Die Gruppe bildet bei der Bundeswehr die kleinste reguläre Infanterieeinheit. Zugleich ähnelt ihr Konzept dem vieler anderer Armeen, sodass sie als Grundlage für eine Vielfalt von nachzuspielenden Szenarien dienen kann. In diesem Artikel erfährst du, wie sie aufgebaut ist und wie sie funktioniert.

Aufbau

Die Bundeswehrgruppe besteht aus acht bis zwölf Soldaten. Im Gegensatz zum amerikanischen Squad oder der britischen Section ist eine Bundeswehrgruppe nicht fest in Teams unterteilt, sondern flexibler aufgebaut. Wesentliche Bestandteile der BW-Gruppe sind lediglich:

  • der Gruppenführer (GrpF), der den Befehl über die anderen Soldaten hat, aber auch die Verantwortung trägt. Er ist mit einem Funkgerät ausgestattet und hält Kontakt zur Zugführung und den anderen Gruppen in seinem Zug.
  • der stellvertretende Gruppenführer, der den GrpF vertritt, unterstützt und berät. Wird die Gruppe in Trupps aufgeteilt, übernimmt er i.d.R. die Führung eines der Trupps.
  • ein Maschinengewehrschütze mit einem Hilfsschützen, die über ein leichtes MG im Kaliber 7.62x51 verfügen (traditionell MG3, immer häufiger MG5).

Zu diesen vier Rollen kommen vier bis acht weitere hinzu, die je nach Auftrag und Lage flexibel zusammengestellt werden können. Denkbar sind:

  • Schützen mit Sturmgewehr,
  • GraPi-Schützen mit Granatpistole,
  • Panzerfaust-Schützen,
  • ein weiterer MG-Schütze mit Hilfsschütze, z.B. mit einem MG4,
  • ein Erstversorger,
  • ein Gruppenscharfschütze,
  • und jede weitere denkbare infanteristische Rolle mit leichter bis mittlerer Bewaffnung.

Die Zusammensetzung der Gruppe wird durch den Gruppenführer, die Zugführung, den kommandierenden Offizier oder ggf. durch den Missionsbauer festgelegt.

Aufteilung in Trupps

In der Regel bietet sich an, dass die Gruppe in zwei bis drei Trupps aufgeteilt wird. Der Gruppenführer übernimmt die Führung eines Trupps, sein Stellvertreter die des anderen. Der Gruppenführer kann aber auch jeden beliebigen Soldaten der Gruppe zu einem Truppführer ernennen, wenn er diesen für ausreichend qualifiziert hällt. Der Truppführer ist gegenüber den Mitgliedern seiner Gruppe weisungsbefugt.

Im Normalfall liegt der Schwerpunkt einer BW-Gruppe auf seinem MG, welches den Kern eines Deckungstrupps bildet. Dessen Aufgabe ist es, Überwachungspositionen einzunehmen und die Aktionen des anderen Trupps, genannt Manövertrupp, durch Überwachung und ggf. Unterdrückungsfeuer zu unterstützen. Das MG sollte solange verdeckt gehalten werden, bis es seine volle Wirkung entfalten kann, da es für den Feind ein Prioritätsziel darstellt und im klassischen Aufbau der Gruppe keine weiteren MGs vorhanden sind. Der Deckungstrupp kann besonders durch GraPis oder Gruppenscharfschützen optimal ergänzt werden.

Der Manövertrupp ist mit vergleichweise leichteren Waffen ausgestattet und übernimmt die Rollen, die eher höhere Mobilität erfordern.

Bei Bedarf kann der Gruppenführer weitere Trupps zeitweilig von seiner Gruppe abspalten. Üblich ist die Bildung von Aufklärungs- oder Panzervernichtungstrupps. Der Trupp wird im Felde so eingeteilt, dass er über die notwendigen Mittel (z.B. eine Panzerabwehrwaffe) verfügt. Er erhält dann einen Auftrag, führt diesen eigenständig durch und kehrt zur Gruppe zurück, sobald der Auftrag durchgeführt wurde. Ein Trupp sollte in der Regel mindestens drei Soldaten umfassen: Wird einer getroffen und fällt aus, bleiben so noch zwei weitere übrig, sodass z.B. einer Ersthilfe leisten kann, während der andere die Umgebung im Auge behält oder den feindlichen Beschuss erwidert.

Führung

Kommunikation

Wenn Kurzstreckenfunkgeräte vorhanden sind, sind alle Soldaten über diese miteinander auf einem gemeinsamen Gruppenkanal verbunden. Die einzelnen Soldaten melden sich im Funk mit einer Nummer, wobei einfach vom Gruppenführer mit der Nr. 1 zum Letzten der Gruppe hochgezählt wird.

Werden Trupps gebildet, so können diese beliebig benannt werden (z.B. mit Farben). Die Nummerierung sollte aber nicht wechseln, um Unsicherheiten zu vermeiden.

Der Gruppenführer kommuniziert mit anderen Einheiten und informiert seine Gruppe jederzeit über die Lage. Diese Aufgabe entspricht etwa der des Squad Leaders. Im entsprechenden Kapitel wird dies genauer ausgeführt.

Auftrag oder Befehl

Das Führen mit Auftrag ist vorzuziehen, wenn die Gruppe in Trupps unterteilt wird. Einem Trupp wird dann vom Gruppenführer ein Auftrag gegeben, der Truppführer kann den Truppmitgliedern Befehle erteilen.

Agiert die Gruppe als Einheit, ist das Führen mit Befehl zu bevorzugen, um ein einheitliches Handeln sicherzustellen. Der Gruppenführer muss aber unbedingt den Auftrag der Gruppe mitteilen, damit dieser bei seinem Ausfall weiterhin ausgeführt werden kann.

Feuer und Bewegung

Der Deckungstrupp im Vordergrund überwacht den Manövertrupp im Tal

Üblicherweise werden Manöver- und Deckungstrupp sich bei möglichem Kontakt raupenartig oder überschlagend bewegen:

  • Der Deckungstrupp bezieht eine Überwachungsposition und meldet, sobald er den Manövertrupp schützen kann.
  • Dieser verlegt daraufhin seine Position.
  • Sobald der Deckungstrupp den Manövertrupp nicht mehr effektiv schützen kann, hält jener und dieser verlegt zu einer neuen Überwachungsposition.

Durch diese Taktik ist sichergestellt, dass stets ein Element Feuerbereit ist.

Fahrzeuge

Bei der Bundeswehr stehen der BW-Gruppe verschiedene Optionen zum eigenständigen Verlegen zur Verfügung:

  • Der Adler verfügt über vier Sitzplätze und wahlweise eine Waffenstation,
  • der Fennek verfügt ebenfalls über vier Sitzplätze, wahlweise eine Waffenstation, zusätzlich aber auch besseren Schutz und persikopähnlich ausfahrbare Aufklärungskameras,
  • der Dingo bietet für bis zu sieben Menschen Platz.

Außerdem können Gruppen auch in anderen Fahrzeugen transportiert werden, z.B. in einem LKW oder dem Transportpanzer Fuchs.

Transportfahrzeuge der Bundeswehr. Von links nach rechts: TPz Fuchs, Dingo, Fennek, Adler IV